Runen

Mancy

Definition

Die kantigen Schriftzeichen der germanischen und nordischen Alphabete (Älteres Futhark, Jüngeres Futhark, angelsächsisches Futhorc), historisch für Inschriften und rituell für die Wahrsagung verwendet.

Ursprung

Das Ältere Futhark mit 24 Runen wurde von den germanischen Völkern etwa ab 150 n. Chr. genutzt. Das Jüngere Futhark (16 Runen) entstand im wikingerzeitlichen Skandinavien (um 800 n. Chr.). Das angelsächsische Futhorc wuchs im frühmittelalterlichen England auf 33 Runen.

Entwicklung

Tacitus (Germania, 98 n. Chr.) beschreibt eine germanische Wahrsagung mit markierten Stäben, die auf ein weißes Tuch geworfen werden — der älteste externe Bericht über das Runenwerfen. Die moderne Runenwahrsagung wurde im 20. Jahrhundert größtenteils aus diesem Fragment und edierten Eddas rekonstruiert; sie ist keine ungebrochene Tradition.

In der Praxis

Die moderne Praxis zieht eine einzelne Rune als Tageshinweis, drei Runen (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft oder Nornen-Legung) oder neun verstreut für eine umfassendere Lesung. Jede Rune hat einen Namen (z. B. Fehu, Ansuz, Raidho) mit semantischen und phonetischen Bedeutungen, die in die Deutung einfließen.

Vertiefung

Die moderne Runenpraxis mischt wissenschaftliche Rekonstruktion (Stephan Grundy, Edred Thorsson) mit kreativer Spiritualität (Ralph Blums umstrittenes The Book of Runes, 1982). Kritiker werfen Blum vor, Bedeutungen erfunden zu haben; Verteidiger erwidern, Sinnstiftung sei selbst eine legitime, fortdauernde Tradition.

Siehe auch

  • Futhark
  • Runenalphabet
  • Runen