Lenormand
TarotDefinition
Ein Wahrsagedeck mit 36 Karten, benannt nach Marie Anne Lenormand (1772–1843), Kartenlegerin am Hof Napoleons. Die Karten zeigen alltägliche Gegenstände (Schlüssel, Ring, Schiff, Buch) statt archetypischer Figuren.
Ursprung
Trotz des Namens entwarf Mlle Lenormand das Deck nicht. Das moderne Petit Lenormand mit 36 Karten erschien um 1846 in Deutschland, also nach ihrem Tod, als „Spiel der Hoffnung" (Game of Hope). Jede der 36 Karten verbindet einen Alltagsgegenstand mit einem eingefügten Spielkartenmotiv.
Entwicklung
Die Lenormand-Lesung entwickelte sich unabhängig vom Tarot mit eigener Grammatik: Karten werden in Zwei- oder Dreierkombinationen gelesen (z. B. Ring + Brief = Verlobungsanzeige). Das Grand Tableau, eine Legung des gesamten 36er-Decks, ist die Signaturmethode.
In der Praxis
Lenormand ist wörtlicher und prognostischer als Tarot. Die Kombination Schiff + Haus bedeutet schlicht „Umzug" oder „Reise aus häuslichen Gründen", mit wenig der psychologischen Nuance des Tarot. Bei konkreten Fragen zu Ereignissen und Zeitpunkten brilliert es.
Vertiefung
Moderne Lenormand-Lehrende (Caitlín Matthews, Andy Boroveshengra) lehnen das popkulturelle Bild des Decks als „Wahrsagerinnen-Spiel" ab und behandeln es als eigenständiges, vollständiges Wahrsagesystem statt als Tarot-Ergänzung.
Siehe auch
- Petit Lenormand
- Spiel der Hoffnung
- Lenormand-Karten